Harburger  Sagen

Am Harburger Märchenweg 2020 haben sich die Fotografen Harald Erdinger und Gerhard Meyer beteiligt, die 2019 beim Harburger Kunstsommer die Besucher mit ihren Fotografien begeisterten. Für 2020 haben sie drei Harburger Sagen foto-künstlerisch umgesetzt. Die Bilder können im Schierlinger-Schaufenster am Harburger Marktplatz bewundert werden und bilden den Auftakt zum Märchenweg 2020.

Herzlichen Dank an die Stadt Harburg und die Kulturstiftung, namentlich Frau Thürheimer und Herrn Kratzer, Die Zinnfiguren für die Darstellung der Sage um die Entstehung des Bockfestet durften wir auf der Harburg fotografieren. Sie sind - zusammen mit hunderten anderen liebevoll bemalten Exemplaren - in der Burg zu besichtigen. Danke an den Schäfer Herrn Prinzing und an Familie Schierlinger für die großartige Unterstützung.

 

 

 

Wie das Bockfest entstanden ist

Am 24. Juni 1800 rückten die Franzosen gegen Harburg vor. Das Schloss verteidigten 160 Mann der österreichischen Infanterie. Die Leute, die in den äußersten Häusern Harburgs wohnten, flüchteten in den Markt hinein.

 

Eineinhalb Stunden lang wurde von der Burg auf die Franzosen geschossen. Da stellten diese am Armenhaus und später am Wedebuck eine Kanone gegen das Schloss auf. Nach dreißig Schüssen aus diesen Geschützen drohten die Franzosen, die Burg mit Haubitzen in Brand zu schießen. Diese Waffen standen bereits in Ebermergen. Außerdem sollte die Besatzung der Burg niedergemacht werden. Da ergaben sich die Österreicher. Sie wurden gefangengenommen.

 

Während und nach der Beschießung plünderten die Franzosen den Markt Harburg. Die Bürger aber waren froh, dass trotzdem alles noch gnädig abgegangen war, zogen auf den Bock und feierten ein Fest.

 

Zur Erinnerung an diese Zeit halten die Harburger heute noch das Bockfest an einem Sonntag in Juni ab.

 

 

Der Schäfer im Hüllenloch

 

Es war in Zeiten des 30jährigen Krieges. Ein Schäfer hütete in Harburgs Umgebung seine Schafe. Die Feinde rückten immer näher; deshalb trieb der Schäfer seine Herde in das Hüllenloch, um sie zu verstecken. Nachts musste er das Futter von den Wiesen und das Wasser aus der Wörnitz herbeischleppen. Trotz aller Anstrengungen wurden die Tiere immer magerer und die Wolle immer schlechter. Auch ihm selber bekam die Arbeit nicht besonders gut. Eines Tages sagte er im Zorne so vor sich hin: „Wenn ich nur die Schafe verkaufen könnte!“ Kaum hatte er ausgeredet, kam auch schon ein vornehmer Herr im schwarzen Gewand mit rotem Mantel und breitem Hut zur Höhle herein und bot ihm für die Tiere eine Kiste voll Gold. Bald wurden die beiden handelseinig. Der vornehme Herr tat einen Pfiff, und das Pferd galoppierte herbei. Auf dem Rücken trug es die Goldkiste. Der Schäfer nahm sie schnell zu sich. Dann setzte sich der fremde Herr auf das Pferd, tat wieder einen Pfiff und ritt davon. Siehe da! Die ganze Schafherde lief ihm nach. Aber, o Schreck! Auch die Goldkiste folgte ihm. Der Schäfer rannte ihr nach, holte sie zurück, setzte sich darauf und kettete seinen Hund daran. Aber er durfte sich nicht vom Platze rühren. Sooft er aufstand, versuchte die Kiste davonzulaufen. So blieb ihm nichts anderes übrig als sitzenzubleiben, und so sitze er heute noch mit seinem Hund versteinert im Hüllenloch.

 

 

Die Sage von der Karab und Elisabeth von Leuchtenberg

 

Elisabeth von Leuchtenberg wohnte viele Jahre auf der Harburg. Sie war die Tochter des Landgrafen von Leuchtenberg und mit Graf Wolfgang von Oettingen verheiratet. 1560 starb sie. Ihr Grabdenkmal steht unter der Orgelempore in der Schlosskirche. In der Sage ist sie heute noch im Volke lebendig:

 

Elisabeth von Leuchtenberg machte eines Tages einen Spaziergang in die Karab. Dabei verirrte sie sich. Der Abend kam, und noch immer hatte sie den richtigen Weg nicht gefunden. In ihrer Verzweiflung machte sie ein Gelübde: Sie wollte demjenigen die Karab schenken, der sie aus diesem unheimlichen Wald herausführen würde. Da hörte sie die Abendglocken von Harburg, Donauwörth und Mertingen läuten. Sie ging dem Klange nach und war gerettet. Elisabeth löste ihr Versprechen ein: einen Teil der Karab schenkte sie Harburg, den anderen Donauwörth und den dritten Mertingen.

 

Im Volksmund heißt Elisabeth von Leuchtenberg „das Karafreile“.

 

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